Gesetzliche Krankenversicherung für Grenzgänger

Als Grenzgänger in der Schweiz haben Sie die Möglichkeit sich für eine von drei Varianten der Krankenversicherung für Grenzgänger zu entscheiden. Die freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland ist eine der drei Varianten.

Gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland

Die gesetzliche Krankenversicherung ist ein zentraler Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems. Neben der Renten-, Arbeitslosen-, Unfall- und Pflegeversicherung ist sie ein wichtiger Teil des deutschen Sozialversicherungssystems.

Die GKV ist eine Pflichtversicherung. In bestimmten Fällen kann die Mitgliedschaft aber auch freiwillig erworben werden. So haben Grenzgänger die Möglichkeit sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland zu versichern obwohl sie in Deutschland nicht versicherungspflichtig sind.

Gesetzliche Krankenversicherung für Grenzgänger

Grenzgänger die sich von der obligatorischen Versicherungspflicht in der Schweiz befreien lassen, können sich freiwillig in der GKV versichern.  

Eine Befreiung von der Versicherungspflicht in der Schweiz ist dann möglich wenn eine Krankenversicherung aus dem Wohnland vorgewiesen werden kann die mindestens den gleichen Leistungsumfang wie die KVG in der Schweiz bietet. Dies ist bei der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland der Fall.

Wer sich für die Krankenversicherung in der Schweiz entscheidet, später aber in die GKV wechseln möchte, um die Familie mit zu versichern, kann bei Änderung der persönlichen Verhältnisse durch Heirat oder Geburt eines Kindes ausnahmsweise zu diesem Zeitpunkt vom Optionsrecht gebrauch machen und sich von der Versicherungspflicht in der Schweiz befreien lassen.

Kosten der GKV für Grenzgänger

Die Beitragshöhe für die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland ist abhängig vom Einkommen des Versicherungsnehmers. Die Beitragshöhe ist gesetzlich auf 14,6% der beitragspflichtigen Einnahmen festgelegt. 

Die Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 4.837,50 Euro im Monat beziehungsweise 58.050 Euro im Jahr (Stand 2022). Demnach liegt der Höchstbetrag bei 706,28 Euro pro Monat.

Hinzu kommt ein Zusatzbeitrag, den die Krankenkassen zur Deckung ihres Finanzbedarf erheben dürfen. Dieser variiert von Krankenkasse zu Krankenkasse und liegt im Durchschnitt bei 1,3%.

In Deutschland tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber diese Beiträge aus dem Arbeitsentgelt jeweils zur Hälfte.

Zu beachten ist zudem, dass bei einer Krankenversicherung in Deutschland auch eine Pflegeversicherung obligatorisch ist. Diese schlägt mit 3,05% (3,4% für Kinderlose) des beitragspflichtigen Einkommens zu Buche.

Vor- und Nachteile der GKV

Eine Krankenversicherung der gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland hat den Vorteil das die gleichen Leistungen erbracht werden wie es Arbeitnehmer in Deutschland gewohnt sind.

Ein weiterer wichtiger Vorteil ist zudem, dass in der gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland Familienmitglieder kostenlos mitversichert werden können.

Demgegenüber sind die hohen Kosten ein deutlicher Nachteil. Dank der hohen Gehälter in der Schweiz zahlen Grenzgänger schnell den Höchstbetrag für die GKV. 

Da Arbeitgeber in der Schweiz sich nicht an den Kosten für die Krankenversicherung beteiligen müssen Grenzgänger den gesamten Beitrag für die Krankenversicherung sowie den Zusatzbeitrag und die Pflegeversicherung alleine tragen.

Ein Vergleich mit der obligatorischen Pflichtversicherung in der Schweiz ist daher unbedingt zu empfehlen. 

Vergleich der GKV zur KVG

Anders als die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland ist die Höhe der Beiträge für die Krankenversicherung in der Schweiz nach KVG nicht von der Höhe des Einkommens abhängig.

Mit einer Prämienhöhe von gerade einmal ca. 180 Euro pro Monat für Grenzgänger über 26 Jahren (Sympany, Stand 2022) ist die Krankenversicherung in der Schweiz deutlich günstiger als in Deutschland.

Zu beachten ist allerdings, dass sich die Leistungsinhalte der KVG von der GKV unterscheiden. So werden in vielen Fällen vor allem im Bereich der Zahnbehandlungen und der Pflege Zusatzversicherungen notwendig, um den gleichen Leistungsstandard aufrecht zu erhalten.

Aufgrund des Hohen Preisunterschiedes kann dies jedoch mit privaten Zusatzversicherungen sichergestellt werden sodass die Beitragshöhe insgesamt immer noch deutlich unter den Kosten der freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung für Grenzgänger in Deutschland bleibt.

Beispielrechnung:

Tobias ist ein 32 jähriger kinderloser Grenzgänger, der als IT-Spezialist in der Schweiz umgerechnet 5200 Euro monatlich verdient. Er vergleicht die GKV mit KVG:

Einkommen: 5200 EuroGKV DeutschlandKVG Schweiz
Krankenversicherung706,28 Euro (14,6%)180 Euro
Zusatzbeitrag62,89 Euro (1,3%)
Pflegeversicherung164,48 Euro (3,4%)ca. 50 Euro (optional)
Gesamt:933,65 Euro230 Euro

Die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland kostet Tobias 703,65 Euro pro Monat mehr als die Grenzgängerversicherung in der Schweiz nach KVG.

Fazit

Eine freiwillige Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland ist gerade für alleinstehende und kinderlose Grenzgänger deutlich teurer als die Versicherung nach KVG in der Schweiz.

Die Möglichkeit, bei Änderung der persönlichen Verhältnisse (z.B. Heirat oder Geburt eines Kindes) auch später noch vom Optionsrecht gebrauch zu machen und von der KVG in die GKV zu wechseln, ist besonders für junge oder ledige Menschen interessant.

Bevor Sie sich für eine der Varianten entscheiden, sollten Sie die Kosten gegenüberstellen, und etwaige Zusatzversicherungen berücksichtigen, um herauszufinden welche Lösung die beste für Sie persönlich ist.

Gerne unterstützen wir Sie dabei die passende Variante der Krankenversicherung und Zusatzversicherung für Ihre individuelle Situation zu finden.

Autor: Holger Kosmund

Holger Kosmund ist seit über 18 Jahren als unabhängiger Finanz- und Versicherungsberater im Raum Lindau am Bodensee tätig. Durch die Nähe zur Schweiz war er in dieser Zeit bereits vielen Grenzgängern bei der optimalen Absicherung und Vorsorge behilflich.

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