Grenzgänger Steuern – Worauf Sie achten müssen

In welchem Land Sie als Grenzgänger in der Schweiz Ihre Steuern bezahlen ist im Doppelbsteuerungsabkommen geregelt. Hier erfahren Sie, wo Sie welche Steuern und Abgaben Leisten müssen und was dabei zu beachten ist.

Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)

Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) soll verhindern, dass Grenzgänger, die in Deutschland leben und in der Schweiz arbeiten doppelt Steuern zahlen.

Anders als bei der Krankenversicherung können Grenzgänger sich nicht aussuchen, wo sie ihre Steuern zahlen. Das DBA legt für diesen Fall fest, dass Grenzgänger ihre Einkommensteuer am Wohnsitzort in Deutschland zu zahlen haben.

Die Schweiz erhebt jedoch eine Quellensteuer in Höhe von 4.5% des Einkommens, diese kann jedoch bei der Einkommensteuer in Deutschland angerechnet werden. Zudem kommen noch weitere obligatorische Abgaben zur Sozialversicherung und Vorsorge in der Schweiz hinzu.

Zusammengefasst:

  • Einkommensteuer: in Deutschland
  • Quellensteuer (iHv4.5%): in der Schweiz
  • Sozialversicherung und Vorsorge: in der Schweiz

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Quellensteuer für Grenzgänger

Die Quellensteuer wird von allen Arbeitnehmern in der Schweiz gezahlt, die

  • keinen steuerrechtlichen Wohnsitz in der Schweiz haben (z.B. Grenzgänger)
  • ohne Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) in der Schweiz wohnen.

Die Quellensteuer richtet sich hauptsächlich an Ausländer, die in der Schweiz arbeiten. Die Höhe der Quellensteuer ist kantonsabhängig. Für Grenzgänger ist die Höhe der Quellensteuer auf 4.5% begrenzt.

Die Quellensteuer, die in der Schweiz bezahlt wird, kann von Grenzgängern bei der Einkommensteuererklärung in Deutschland angerechnet werden, sodass keine doppelte Besteuerung anfällt.

Einkommensteuer für Grenzgänger

Als Grenzgänger in der Schweiz sind Sie in Deutschland einkommensteuerpflichtig. Da Sie nicht bei einem deutschen Arbeitgeber angestellt sind, sind Sie dazu verpflichtet eine jährliche Einkommensteuererklärung einzureichen. Speziell für Grenzgänger gibt es die Anlage „N-Gre“, die mit ausgefüllt und eingereicht werden muss.

Auf Grundlage der Einkommensteuererklärung werden auch die vierteljährlichen Einkommensteuervorauszahlungen für das Folgejahr berechnet. Ebenso wie bei Selbstständigkeit müssen diese Vorauszahlungen quartalsweise bezahlt werden. Eine eventuelle Rückerstattung oder Nachzahlung wird erst durch die nächste Einkommensteuererklärung ermittelt.

In welcher Währung tragen Grenzgänger ihr Einkommen ein?

Als Grenzgänger geben Sie Ihr Einkommen in der Währung an, in der Ihr Lohn festgelegt ist. In der Regel geben Sie es also als Schweizer Franken an. Das Finanzamt berechnet den Eurobetrag anhand eines gesetzlich festgelegten Wechselkurses.

Die Vorauszahlungen auf die voraussichtliche Einkommensteuer in Deutschland werden vierteljährlich erhoben (10.03., 10.06., 10.09. und 10.12.).

60-Tage-Regelung für Grenzgänger Steuern

Sollten Sie als Grenzgänger an mehr als 60 Tagen pro Jahr nicht an Ihren Wohnort zurückkehren können, müssen Sie in der Schweiz nicht nur den Quellensteuersatz von 4,5% abführen, sondern die Quellensteuer muss dann ordentlich berechnet werden.

Diese Regelung gilt aber nur, wenn Ihnen eine tägliche Rückkehr an den Wohnort in Deutschland „nicht zumutbar“ wäre. Nicht zumutbar bedeutet in diesem Fall, dass

  • der Arbeitsweg zwischen Wohn- und Arbeitsstelle mehr als 110 Kilometer beträgt
  • die Anfahrt zur Arbeit mehr als 1,5 Stunden dauert (ein Weg)
  • es sich um eine Geschäftsreisen handelt (in diesem Fall auch Wochenenden und Feiertage)

Wenn Sie unter diese Ausnahme fallen und eine Rückkehr nicht zumutbar ist, erhalten Sie das Formular Gre-3, das Sie bei Ihrem Arbeitgeber einreichen müssen und das Ihren Status als Wochenaufenthalter bestätigt.

Grenzgänger-Status und Corona

Aufgrund der Corona-Pandemie haben sich Deutschland und die Schweiz darauf geeinigt, dass Grenzgänger, die aufgrund der aktuellen Situation nicht an ihren Arbeitsplatz in der Schweiz pendeln können und stattdessen im Homeoffice arbeiten, ihren Status als Grenzgänger behalten.

Dies bedeutet, dass die 60-Tage-Regelung in diesem Fall nicht greift. Diese Ausnahmeregelung gilt steuerrechtlich derzeit bis zum 31. März 2022. Mehr zum Thema Grenzgänger im Home-Office…

Als Grenzgänger Steuern anmelden

Als Grenzgänger in der Schweiz müssen Sie sich als solcher bei Ihrem zuständigen Finanzamt in Deutschland anmelden. Dazu müssen Sie den Grenzgängerfragebogen (Vordruck Seite 2-76) ausfüllen und einen Lohnzettel oder Arbeitsvertrag als Nachweis über die Höhe Ihres Lohnes in der Schweiz beifügen. Anhand der eingereichten Daten wird die vierteljährlich fällige Einkommensteuer-Vorauszahlung berechnet.

Ansässigkeitsbescheinigung

Wenn Sie den Granzgängerfragebogen einreichen, wird Ihnen eine Steuernummer zugeteilt und eine Ansässigkeitsbescheinigung (Gre-1) ausgestellt. Die Ansässigkeitsbescheinigung müssen Sie bei Ihrem Arbeitgeber einreichen. Nur so wird gewährleistet, dass lediglich der Pauschalbetrag von 4,5% Quellensteuer einbehalten wird.

Wenn Sie als Wochenaufenthalter tätig sind und also an mehr als 60 Tagen pro Jahr nicht an Ihren Wohnort zurückkehren, da dies „nicht zumutbar“(siehe oben) wäre, erhalten Sie die Bescheinigung Gre-3.

Ohne Vorlage der Ansässigkeitsbescheinigung ist der Arbeitgeber verpflichtet die gesamte Höhe der Quellensteuer nach schweizer Tarif einzubehalten. Eine Rückerstattung der zu viel gezahlten Steuern nur möglich, wenn kein schuldhaftes Vergehen des Arbeitnehmers vorliegt.

Wichtiger Hinweis: Wir sind nicht steuerberatend tätig. Bitte wenden Sie sich hierzu an Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Steuerbehörden oder andere nach § 4 StBerG zugelassene Berufe.

Autor: Holger Kosmund

Holger Kosmund ist seit über 18 Jahren als unabhängiger Finanz- und Versicherungsberater im Raum Lindau am Bodensee tätig. Durch die Nähe zur Schweiz war er in dieser Zeit bereits vielen Grenzgängern bei der optimalen Absicherung und Vorsorge behilflich.

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