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Pflegeversicherung für Grenzgänger

Aktualisiert am

50% der Männer in Deutschland werden im Laufe ihres Lebens zum Pflegefall. Bei den Frauen sind es sogar zwei Drittel. Dennoch ist die Pflegeversicherung keine Pflicht in der Schweiz. Doch auch bei einer deutschen Krankenversicherung ist eine Pflegezusatzversicherung notwendig, um eine ernsthafte Versorgungslücke zu schließen.

Risiko Pflegebefürftigkeit

Pflegebedürftigkeit ist kein Thema, mit dem man sich gerne beschäftigen möchte. Obwohl fast jeder von uns schon im direkten Umfeld Erfahrung mit der Pflegebedürftigkeit gemacht hat, scheint die konkrete Auseinandersetzung mit der eigenen Situation für viele keine Priorität zu haben.

Der Eindruck, dass die in Deutschland verpflichtende Pflegeversicherung ein ausreichender Schutz ist, ist schlichtweg falsch. Von Anfang an war die Pflegeversicherung in Deutschland als eine Teilabsicherung gedacht.

Die Realität ist: Wenn ein Mensch Pflegebedürftig wird, ist in der Regel nur die Hälfte der tatsächlichen Kosten abgedeckt. Der Rest muss aus eigener Tasche bezahlt werden und wenn das Geld knapp ist, sind die Familienangehörigen zur Unterstützung verpflichtet.

Das ist keine schöne Situation, aber sie lässt sich mit einer Pflegezusatzversicherung verhindern.


Wie sind Grenzgänger abgesichert?

Die Absicherung im Pflegefall hängt von der Wahl der Krankenversicherung für Grenzgänger ab:

Die meisten Grenzgänger sind in einer Schweizer Krankenversicherung nach Krankenversicherungsgesetz (KVG) versichert. Das KVG umfasst keine obligatorische Absicherung für den Pflegefall. Dies ist ein wichtiger Unterschied zu Deutschland, wo eine Pflegeversicherung Pflicht ist.

Grenzgänger, die in der Schweiz krankenversichert sind, können dank dem bilateralen Abkommen zwischen Deutschland und der Schweiz in Deutschland mit dem Formular E106 Sachleistungen der deutschen Aushilfskrankenkasse erhalten.

Doch auch wenn Sie in einer Deutschen Krankenkasse versichert sind, decken die Leistungen in der Regel nur einen Teil der tatsächlich entstehenden Kosten bei der Pflege ab. Dann kommt es zur sogenannten Versorgungslücke, die aus eigener Tasche bezahlt werden muss und im schlimmsten Fall auch von den Angehörigen getragen werden muss.

Eine Pflegezusatzversicherung ist daher in jeder Versicherungsvariante eine wichtiger Teil der Vorsorge.


Leistungen der Pflegeversicherung für Grenzgänger

Grenzgänger, die in der deutschen Pflegepflichtversicherung versichert sind (GKV & PKV) erhalten Pflegeleistungen nach dem zweiten deutschen Pflegestärkungsgesetz. Die Beiträge werden anhand der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person ermittelt und in fünf Pflegestufen eingeteilt (Quelle).

Da es sich bei den ermittelten Beträgen um pauschalen handelt, entsteht hier die Problematik, dass das Pflegegeld die tatsächlichen Kosten der Pflege in vielen Fällen nicht abdeckt. Daher wird auch in diesem Fall eine Pflegezusatzversicherung empfohlen, um die finanziellen Risiken im Pflegefall einzudämmen.

Sachleistungen vs. Pflegegeld

Im Fall einer Grenzgängerversicherung im Schweizer System ist keine Pflegegeldversicherung vorgesehen. Grenzgänger erhalten mit dem Formular E106 Leistungen der deutschen Krankenversicherung in Deutschland, dies beschränkt sich im Falle der Pflegeversicherung jedoch lediglich auf die sogenannten Pflegesachleistungen.

Das Pflegegeld ist ein Pauschalbetrag und wird bei stationärer oder ambulanter Pflege direkt an die Angehörigen oder die Pflegeeinrichtung ausgezahlt. Die tatsächlichen Kosten spielen dabei keine Rolle.

Die Pflegesachleistungen umfassen in der Regel Leistungen, die durch einen Pflegedienst anfallen. Diese werden bis zu einem festgelegten Betrag direkt von deem Pflegedienst mit der Krankenkasse abgerechnet. Der Höchstbetrag richtet sich dabei ebenfalls nach dem Grad der Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person.


Finanzielles Risiko im Pflegefall

Da Grenzgänger im Pflegefall lediglich Sachleistungen bis zur gesetzlich festgelegten Höchstgrenze erhalten, birgt dies ein großes finanzielles Risiko nicht nur für den Grenzgänger selbst, sondern auch für die Angehörigen.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Statistik zeigt, dass auch das vollständige Pflegegeld nicht ausreicht, um die tatsächlichen Kosten zu decken, die bei der Vollzeitpflege im Pflegeheim durchschnittlich entstehen. Das bedeutet, dass ein sehr hoher Eigenanteil zu zahlen ist, der für Grenzgänger und Angehörige zu einer schweren finanziellen Belastung werden kann.

Risiko der Pflegebedürftigkeit

Wie wir oben gesehen haben, können im Falle der Pflegebedürftigkeit selbst bei optimaler gesetzlicher Absicherung hohe Kosten der Selbstbeteiligung entstehen. Doch wie hoch ist das Risiko überhaupt pflegebedürftig zu werden?

Jeder zweite Mann und zwei von drei Frauen
werden im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig.

(Barmer GEK Pflegereport 2013)

67% der Frauen und 48% der Männer sind im Laufe ihres Lebens auf die Pflegeleistungen angewiesen. Das macht die Pflegeversicherung zu einem der wichtigsten Themen nicht nur für Grenzgänger, sondern auch für alle in Deutschland arbeitenden.


Pflegezusatzversicherung für Grenzgänger

Die Pflegezusatzversicherung wird meistens in Form eine Pflegetagegeldversicherung abgeschlossen. Sie ist besonders flexibel und lässt sich in der Regel sehr gut auf die individuellen Bedürfnisse einstellen.

Pflegetagegeld berechnen

Die Höhe des Pflegetagegeldes kann individuell festgelegt werden. So können Sie optimal die Lücke zwischen Sachleistungen oder Pflegepflichtversicherung und den tatsächlich entstehenden Kosten schließen.

Zur Berechnung des benötigten Tagegeldes können Sie die voraussichtlich entstehenden Kosten in Ihrem Bundesland oder der gewünschten Einrichtung für die Pflege schätzen und die bereits durch Sachleistungen oder Pflegeversicherung abgedeckten Leistungen abziehen. Der Unterschied ist die Versorgungslücke, die Sie mit dem Pflegetagegeld abdecken.

Beispiel: Wenn Sie in Baden-Württemberg in den Pflegegrad 4 eintreten, sind ca. 1.775 Euro abgedeckt. Die durchschnittlich entstehenden Kosten betragen jedoch ca. 3.428 Euro. Die Versorgungslücke beträgt also

3.428 Euro – 1.775 Euro = 1.653 Euro

Das Pflegetagegeld sollte also für den Pflegegrad 4 in diesem Fall ca. 55 Euro betragen (1.653 Euro / 30 Tage), um die Versorgungslücke von 1.653 Euro monatlich zu schließen.

Pflegetagegeld und Pflegestufe

Die Höhe des Pflegetagegeldes lässt sich zudem je nach Pflegestufe festlegen. Grenzgänger haben so die Möglichkeit auf den unterschiedlichen Bedarf in den Pflegestufen einzugehen. Dies kann auch beinhalten, dass Angehörigen bis zu einem bestimmten Pflegegrad die Pflege übernehmen könnten und daher eine andere finanzielle Last auftritt als bei Vollzeitpflege in einem Pflegeheim.

Pflegetagegeld und Einmalzahlung

Zusätzlich zum Pflegetagegeld kann eine Einmalzahlung in festgelegter Höhe vereinbart werden. Diese kann dabei Helfen Unkosten, die gehäuft beim Eintritt in einen Pflegegrad auftreten abzufedern und so finanzielle Engpässe zu vermeiden.

Was kostet die Pflegeversicherung?

Die Beitragshöhe zur Pflegezusatzversicherung oder Pflegetagegeldversicherung ist von mehreren Faktoren abhängig.

  • Eintrittsalter der versicherten Person
  • Höhe des festgelegten Tagegeldes
  • Höhe der Einmalzahlung
  • Gewählter Leistungsumfang

Eine pauschale Aussage über die Höhe der Beiträge ist daher nicht zu machen. Es empfiehlt sich unbedingt, die persönliche Situation und die Bedürfnisse mit einem Versicherungsexperten in einem persönlichen Gespräch zu besprechen, um die beste Lösung zu finden. Sie können hier einen kostenlosen Termin buchen.

Wann sollten Grenzgänger eine Pflegeversicherung abschließen?

Je früher desto besser. Grenzgänger sind in der Schweiz nicht dazu verpflichtet eine Pflegeversicherung abzuschließen. In Deutschland ist sie dagegen obligatorisch. Umso wichtiger ist es vorzusorgen, um dieses Risiko einzugrenzen.

Da die Annahme in die Pflegetagegeldversicherung auch von den Gesundheitsfragen abhängig ist und im Zweifelsfall auch abgelehnt werden kann, bietet ein früherEintritt deutliche Vorteile. Auch die Beitragskosten sind im jüngeren Alter günstiger.

Die Pflegebedürftigkeit kann in jedem Alter eintreten und ist gerade bei jungen Menschen zumeist unvorhergesehen. Eine frühzeitige Absicherung schützt vor finanziellen Schwierigkeiten.

Worauf bei der Pflegeversicherung zu achten ist

  • Höhe des festgelegten Tagegeldes je Pflegegrad
  • Höhe der Einmalzahlung (meist optional)
  • Abschließbarkeit der Versicherung für Grenzgänger
  • Art und Umfang der Gesundheitsfragen
  • Beitragsfortzahlung bei Pflegebedürftigkeit?

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Pflegeversicherung für Grenzgänger?

Eine Pflegeversicherung tritt in Kraft, wenn Sie Pflegeleistungen beanspruchen müssen. In Deutschland ist sie Teil der Pflichversicherung, in der Schweiz dagegen optional. In jedem Fall wird empfohlen eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen.

Brauche ich eine Pflegezusatzversicherung für Grenzgänger?

Je nach Krankenversicherung haben Sie als Grenzgänger Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen. Da beides nicht die tatsächlichen Kosten im Pflegefall abdeckt, wird eine Pflegezusatzversicherung in jedem Fall empfohlen.

Welche Pflegeversicherung soll ich abschließen?

Da die benötigten Leistungen von Ihrer individuellen persönlichen Situation abhängen, empfehlen wir Ihnen mit einem Versicherungsexperten zu sprechen. Gerne stehen wir Ihnen als Berater in diesen Fragen zur Verfügung.

Autor: Holger Kosmund

Holger Kosmund ist seit über 18 Jahren als unabhängiger Finanz- und Versicherungsberater im Raum Lindau am Bodensee tätig. Durch die Nähe zur Schweiz war er in dieser Zeit bereits vielen Grenzgängern bei der optimalen Absicherung und Vorsorge behilflich.

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