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Heiratsstrafe in der Schweiz 

Veröffentlicht am

Der Begriff Heiratsstrafe klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich. Jedoch verbirgt sich hinter diesem Phänomen eine Steuerproblematik, die viele Ehepaare betrifft, welche in der Schweiz leben.

Zwar hat das Bundesgericht dieses Phänomen schon vor längerer Zeit verboten, dennoch haben auch heute noch viele in der Schweiz lebende Paare mit der Heiratsstrafe zu kämpfen. Was genau die Heiratsstrafe ist und wen sie betrifft, können Sie in diesem Artikel nachlesen. 

Heiratsstrafe – was ist das?

Der Begriff der Heiratsstrafe entstand in der Schweiz aus der Tatsache, dass manche Ehepaare – bei ähnlichen Verdienst – mehr Steuern zahlen als unverheiratete, zusammenlebende Paare. Wenn Ehepaare mindestens 10 % mehr Bundessteuern bezahlen als Paare, die nicht verheiratet sind, spricht das Bundesgericht von einer solchen Heiratsstrafe.

Bereits im Jahr 1984 hat das Bundesgericht eine solche Heiratsstrafe als verfassungswidrig erklärt und deren Abschaffung gefordert. Jedoch halten sich bisher nur die Kantone an dieses Verbot, sie haben Maßnahmen zur Entlastung für Ehepaare eingeführt. Die Bundessteuer ist von diesen Maßnahmen jedoch nicht betroffen, so dass hier in vielen Fällen weiterhin eine Heiratsstrafe vorliegt.

Wen betrifft sie?

Gerade Besserverdienende zählen hierbei zu den Betroffenen. Ehepartner, die ähnlich viel Einkommen erzielen sind hiervon am stärksten betroffen. Grund dafür ist, dass die Einkommen der Ehepartner gemeinsam besteuert werden. So rutschen viele Paare in einen höheren Steuersatz als vor der Heirat.

Wenn jeder Ehepartner um die 75.000 – 125.000 Franken Jahreseinkommen hat, schlägt die Heiratsstrafe in voller Härte zu.

Dass dieses kein seltenes Phänomen ist, beweist ein Blick in die Statistik. Die letzte Schätzung im Jahr 2018 ergab, dass rund 450 000 Ehepaare unter diese Heiratsstrafe fallen.

Grenzgänger in der Schweiz sind allerdings nicht von der Problematik betroffen, da sie in Deutschland Steuern zahlen.

Wer jedoch in die Schweiz auswandert, sollte hier genau aufpassen, um eine hohe Steuerbelastung zu vermeiden.

Wie wirkt sich die Heiratsstrafe auf die Rente aus

Aber nicht nur die Steuerbelastung steigt aufgrund der Heiratsstrafe. Auch die Grundrente kann bei Eheleuten niedriger ausfallen, als bei unverheiratete Paare. Nach der Hochzeit zahlen die Parteien zwar dieselben Beiträge in die Rentenkasse ein und die Berechnung der Rentenhöhe ist grundsätzlich gleich.

Die doppelte Einzelrente bekommen verheiratete Paare jedoch nicht. Während unverheiratete Paare sich bei entsprechender Einzahlung auf eine doppelte Maximalrente freuen können, bekommen Ehepaare höchstens das 1,5 fache der Maximalrente von Unverheirateten. So kann es durchaus sein, dass das gutverdienende zusammenlebende Paar ohne Trauschein auf 4.780 Franken kommt, während das verheiratete höchstens 3.585 Franken zur Verfügung hat.

Zukunft der Heiratsstrafe

Viele Parteien haben das Problem bereits im Blick. Jedoch herrscht Uneinigkeit darüber, wie diese nun endgültig auch auf Bundesebene abgeschafft werden soll. Je nach Partei wird ein Splitting Modell oder eine Individualbesteuerung vorgeschlagen. Bisher konnte man sich jedoch auf kein Modell einigen, so dass die Problematik weiter vorherrscht.

Fazit

Es ist unrecht, dass Ehepaare in der Schweiz mehr Steuern zahlen als Paare, die nicht verheiratet sind. Auch wenn das Bundesgericht dies bereits vor längerer Zeit als verfassungswidrig erklärt hat, gibt es bisher keine Lösung auf Bundesebene, um dieses Problem zu beheben. 

Wer unter einer solchen Heiratsstrafe leidet, sollte selbst Hand anlegen und sich informieren, welche Möglichkeiten es gibt, die Steuerlast zu minimieren. Paare sollten ihre Möglichkeiten mit Hilfe eines Steuerberaters also prüfen und ausschöpfen, damit sie möglichst wenig unter der Heiratsstrafe leiden müssen. 

Autor: Holger Kosmund

Holger Kosmund ist seit über 18 Jahren als unabhängiger Finanz- und Versicherungsberater im Raum Lindau am Bodensee tätig. Durch die Nähe zur Schweiz war er in dieser Zeit bereits vielen Grenzgängern bei der optimalen Absicherung und Vorsorge behilflich.

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